+++Im Fokus+++
In der Pressekonferenz vom 25.02.2021 drängen die Fachleute aus der Notfallmedizin auf einen Lockdown bis mindestens Anfang April, damit noch mehr Menschen in diesem Zeitraum geimpft werden können.
Denn der Impfprozess spielt bei der Eindämmung der Pandemie eine sehr große Rolle.
Dabei wurde noch einmal betont, dass der Impfstoff Astra Zeneca einen guten Schutz vor einer Erkrankung mit COVID-19 böte.
Während die sächsischen Wirtschaftsverbände und die Landesärztekammer in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin „von der Kultur der Verbote (…) hin zu einer Kultur des Ermöglichens und der Eigenverantwortung“ eine sofortige Lockerung der Lockdown-Maßnahmen fordern, warnen die Intensivmediziner vor vorschnellen Lockerungen.

Die Experten der Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin (kurz DIVI) stellen dazu verschiedene Prognosemodelle für die Auslastung der Intensivstationen vor.
Auf Basis dieser hypothetischen Szenarien spricht sich der DIVI-Präsident Gernot Marx generell nur noch für Öffnungen aus, die nicht mehr so sehr am Inzidenzwert, sondern dem R-Wert (auch Reproduktionszahl genannt) orientiert sind.

Dabei darf der R-Wert nicht über 1 steigen, ausgegangen von der nicht mutierten Variante des Corona-Virus.
Die derzeitigen Beschränkungen müssten besser bis zum 1. April verlängert werden und gleichzeitig mit schnellerem Impfen begonnen werden.
Wenn sich 80% der Risikogruppen, bei denen schwere Corona-Verläufe zu erwarten seien, impfen ließen, bestünden gute Chancen, die Pandemie sehr bald effektiv einzudämmen.

Bei der britischen Virus-Mutation entspräche der jetzige R-Wert von 1 einem R-Wert von 1,35 und könnte zu einem Anstieg der Neuinfektionen führen.

„Wir müssen mit der Impfwelle vor die Infektionswelle kommen“

, so DIVI-Experte Prof. Dr. Christian Karagiannidis, geschäftsführender Oberarzt und Leiter des ECMO Zentrums in Köln und weiter

„Mit Disziplin bis Ende März können wir extrem viel erreichen.“

Der DIVI-Fachmann Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, klingt noch ein wenig optimistischer:

„Die Impfungen sind der Rettungsanker, um aus der Pandemie endlich herauszukommen. Durchhalten lohnt sich, denn so können wir in einen Sommer, einen Herbst reinkommen, der zuverlässige Lockerung verspricht!“

Das Rechenmodell des Biomediziners Andreas Schuppert aus Aachen, worauf sich die DIVI stützt, legt vor allem zwei Faktoren zugrunde:
Einmal die sogenannte Infektionsdynamik, die am R-Wert abzulesen ist und zum anderen die Schnelligkeit und Menge der Impfungen in der nächsten Zeit.
Der Inzidenzwert spiele zwar dennoch weiterhin eine große Rolle, um das Infektionsgeschehen vor allem regional nachvollziehen zu können.
Der R-Wert als Grundlage für verschiedene Maßnahmen sei aber ein Strategiewechsel, der eine flexiblere Anpassung an die Pandemiesituation verspräche.
Jannsens:

„Wir wollen endlich weg von diesen Horroszenarien. Die WHO spricht davon, dass die Corona-Pandemie im Winter vorbei sein könnte und da wollen wir hin.“

Die einzelnen hypothetischen DIVI-Simulationen

– Wenn es gelänge, den R-Wert auf 1 (1,35 für die britische Virus-Mutation B1.1.7) zu halten, und ab dem 7. März die Corona-Beschränkungen gelockert würden, gleichzeitig jedoch 230.000 Impfungen am Tag durchgeführt würden – dann stiege die Zahl der Covid-Patienten auf etwa 4.000, was laut der DIVI noch tragbar wäre.

– Bei einem R-Wert von 1,2 (1,55 für die Virus-Mutation B1.1.7) und Lockerungen ab dem 7. März würde die Lage auf den Intensivstationen eskalieren. Selbst bei einer hohen Impfzahl von angenommen 350.000 Impfungen pro Tag wären in kürzester Zeit bis zu 12.000 Covid-Patienten auf den Stationen, bei weniger Impfungen bis zu 25000 Patienten.

– Bei einer späteren Lockerung der Corona-Maßnahmen, beispielsweise ab April, gäbe es einen vergleichsweise leichten Anstieg von Intensivpatienten.
Die Experten rechnen hier selbst im ungünstigsten Szenario in dieser Simulation mit bis zu 6.000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Das Fazit ist, dass es auf eine deutlich schnellere Impfstrategie ankommt, auf den Lockdown bis mindestens Anfang April, einen stabilen R-Wert von 1 und um die Möglichkeit, dass es mehr Impfmöglichkeiten gibt z.B. die Hausärzte künftig auch mit eingebunden werden.

Für euch recherchiert, an der PK teilgenommen und nachgefragt: Astrid Schubert
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