85. Todestag von Joachim Ringelnatz: Gedichte am Grab und eine Rose für Muschelkalk
Bild: Ringelnatzverein Wurzen

Wurzen.
„Wie ist es uns ergangen, vergesst es nicht in bess‘rer Zeit“ – mit diesem Spruch auf der Schleife eines Gestecks reisten neun Mitglieder des Wurzener Ringelnatz-Vereins kurz vor dem 85. Todestag von Joachim Ringelnatz nach Berlin.
Ringelnatz, der als Hans Gustav Bötticher 1883 in Wurzen zur Welt kam, benannte sich nach seinem Lieblingstier, dem Seepferdchen und tingelte als Kabarettist im Matrosenanzug seinerzeit durch Deutschland.
Auch für Ringelnatz`Frau mit dem eigenwilligen Kosenamen „Muschelkalk“, beerdigt auf dem gleichen Berliner Friedhof bei ihrem zweiten Mann Julius Gescher, hatten die Literaturfreunde eine Rose im Gepäck.
Der Verein gedachte damit der belesenen und sprachkundigen Ehefrau des Dichters Leonarda Ringelnatz, die nur 14 ihrer 79 Lebensjahre an seiner Seite verbrachte.
Sie war jedoch diejenige, die das Werk des vielseitigen Künstlers katalogisierte, zusammenhielt und für den Nachlass sorgte, während sie für sich und ihren Sohn aus zweiter Ehe durch literarische Übersetzungen den Lebensunterhalt sicherte.
Gerade hatte sich der Geburtstag der 15 Jahre jüngeren Gefährtin von Ringelnatz am 5. November zum 121. Male gejährt.
Auf dem Waldfriedhof an der Heerstraße in Berlin sind auch viele von Ringelnatz‘ Freunden, Förderern und Zeitgenossen bestattet, oft in Ehrengräbern wie Ringelnatz, deren Pflege die Stadt Berlin übernimmt.
Deshalb hatte sich der Verein für seinen Besuch an den Grabstätten einen kundigen Führer, den Berliner Literaturwissenschaftler Paul Alfred Kleinert, zur Unterstützung geholt.
Fast drei Stunden dauerte die Wanderung zu den berühmten Namen der Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts auf Grabsteinen und Grabplatten.
Nicht alle waren mit Ringelnatz bekannt, aber alle prägten seine Lebenszeit kulturell – Georg Grosz und Paul Cassierer, Paul Wegener oder Georg Kolbe, Frauen wie Tilla Durieux oder Thea von Harbou.
Während sich der Literaturwissenschaftler Kleinert an Ringelnatz‘ Grab für seine berühmten Verse „An M.“ entschieden hatte, trug Viola Heß, Vorsitzende des Ringelnatzvereins, sein nachdenkliches Gedicht über „Freunde, die wir nie erlebten“ vor und berichtete von der Sanierung des Geburtshauses in Wurzen und den Plänen nach der Wiedereröffnung.

Bild: Ringelnatzverein Wurzen

Ringelnatz‘ Todestag am 17. November begeht der Verein ganz im Sinne des Künstlers mit einer Hommage an Ringelnatz unter dem Titel „Jede Laune meiner Wimper“, gestaltet vom Erfurter Kabarettisten Ulf Annel mit musikalischer Partnerschaft durch Verena Fränzel am 22. November 19 Uhr im „Seepferdchen“ in der Schweizergartenstraße 2 in Wurzen.

Ringelnatz-Verein Wurzen / (as)

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