Wie stehts um die Schaffung von Betreuungsplätzen in Machern?

Bild: Schubert Text Medien -A.Schubert
 

Resümee.
Landkreis.
Im Landkreis Leipzig ist zur Zeit viel Aufruhr in der Elternschaft.
Ob Deutzen, Geithain oder Machern – überall gibt es großes Ärgernis über den Umgang mit den Kindern in diesem Land.
Denn eines dürfen wir dabei nie vergessen – wir alle sollen Vorbilder für unseren Nachwuchs sein.
Wir, das ist die Gesellschaft, das sind Bürgerinitiativen, engagierte Eltern, das sind Vereinigungen wie der Elternrat und das sind auch Lokalpolitiker.
Wenn wir merken, dass etwas in Schieflage gerät, müssen wir das signalisieren.
Das muss in den Gemeinderat, von dort in den Kreistag, in den Landtag und schlussendlich auf Bundesebene diskutiert werden.
Denn Kinder sind unsere Zukunft.
Sie haben ein Recht darauf, im Kindergarten in behütende Hände gegeben zu werden, in modernen Schulen zu lernen und alle dafür wichtigen Rahmenbedingungen mit auf den Weg zu bekommen.
Leider fängt es mit den Problemen momentan in vielen Gemeinden schon bei der wichtigsten Basis an: Kein Geld!
So wie in Machern.
Dort sollten gleich ganze Kita-Gruppen in das Schulgebäude umziehen, damit in den Kindertagesstätten wiederum Platz für Neuankömmlinge ist.
Im September 2018 nach einer Infoveranstaltung in der Kindertagesstätte Knirpsenhaus mit sehr undurchsichtigen Äußerungen zur gesamten Thematik machten sich die Eltern ihrem Ärger und ihrer Verzweiflung während der nächsten Gemeinderatssitzung Luft.
Es sei durch die zuständige Mitarbeiterin aus der Verwaltung Macherns kommuniziert worden, dass die „Auslagerung“ der 32 Vorschüler in die Macherner Grundschule bereits zum 1. Januar 2019 erfolgen sollte und die Kinder auf ihre gewohnten Erzieher verzichten müssten, so wurde es von mehreren Eltern unabhängig voneinander berichtet.
Namen liegen vor, werden jedoch aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht.
Die besagte Mitarbeiterin dementierte dies in der öffentlichen Gemeinderatssitzung und versuchte, ihre Sichtweise darzulegen, was für viel Zündstoff im Gemeinderatssaal sorgte.
Eine Mutter war den Tränen nah und konnte nicht verstehen, wie in Deutschland mit den Kindern umgegangen wird.
„Das es hier nur ums Geld geht, um die Wirtschaftlichkeit und niemand einmal an das Seelenwohl unserer Kinder denkt, dafür sollte sich Deutschland schämen“, brachte sie sinngemäß in Richtung der Gemeinderäte vor.
Besonders das unausgereifte Konzept und die Klärung der einzelnen Details vermisste die Elternschaft.
„Welche Beschlüsse gab es zu dem Thema denn bereits und welche Genehmigungen stehen noch aus?“, fragte Christoph Knöfel, Vorstandsmitglied im Kita-Förderverein und wurde durch die Aufruhr in den hinteren Reihen fast nicht verstanden…
In Machern herrscht ein hoher Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder.
Da der Landkreis verschiedene Gemeinden – so auch die Gemeinde Machern – bereits über längeren Zeitraum ermahnt hatte, der Schaffung von Kita-Plätzen nachzukommen, sah die Gemeinde offenbar keine andere Lösung, als die Vorschüler in die Grundschule umziehen zu lassen – ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Schulanfang.
Karsten Frosch, stellvertretender Bürgermeister, erläuterte damals, dass Machern beim Landesjugendamt einen entsprechenden Antrag zur Realisierung des Vorhabens gestellt habe und parallel auch das Gesundheitsamt noch sein OK geben müsse.
Die Gemeinde habe sich mit Schule, Kita und Hort schon einmal an einen Tisch gesetzt, um verschiedene Alternativen durchzuspielen, führte der stellvertretende Bürgermeister im Herbst 2018 an.
Der damalige Gemeinderat Valentin Theil (SPD) äußerte, dass die Gemeinde Machern keine andere Wahl habe als diese, aber die Elternschaft sei sicher untereinander solidarisch und gönne Neuankömmlingen die Kitaplätze.
„Ihre Kinder haben einen Platz. Viele andere nicht,“ war er der Ansicht so die empörten Eltern zu beruhigen, was ihm damit nicht gelang.
Dr. Thérèse Goritzka von der Wählervereinigung „Wir sind Macher(n)“ dagegen konterte, dass die Verwaltung gar kein Konzept vorgelegt hatte.
Jedenfalls habe sie – Goritzka – keines zu Gesicht bekommen.
Vielmehr sei stattdessen in den Sommerferien 2018 damit begonnen worden, einen Schulraum komplett leerzuräumen, ohne dass der Gemeinderat überhaupt darüber informiert worden wäre.
Makaber dabei: Da die Grundschule Machern wahrscheinlich in Zukunft dreizügig laufen wird aufgrund der hohen Schülerzahl, wird der Platz dort selbst gebraucht.
Also wohin mit den Vorschülern?
Und wie die dringend benötigten Betreuungsplätze im KiTa-Bereich schaffen?
Der stellvertretende Bürgermeister Karsten Frosch (CDU) sagte indes öffentlich zu, sich wieder mit den Eltern zu treffen, sobald es Rückmeldungen vom Landesjugendamt gibt.
Bis heute – sieben Monate später also – gab es kein für Ende November 2018 (!) geplantes erneutes Treffen mit der Elternschaft, wie mir vor ein paar Tagen Christoph Knöfel vom Förderverein der KiTa Knirpsenhaus mitteilte.
Auch bei den Elternabenden im April und Juni für die Schulanfängereltern sei bisher keine Info seitens der Schulleitung oder der Gemeinde durchgedrungen.
Jens Ranft, Jugendamtsleiter des Landkreises Leipzig äußerte sich im Herbst 2018 zu dem Thema so:

„In der vergangenen Zeit registrierte die Gemeinde Machern einen kontinuierlichen Zuzug von jungen Familien.
Es besteht eine erhöhte Nachfrage an Betreuungsplätzen.
Das derzeitige Betreuungsangebot in den Einrichtungen ist nicht mehr ausreichend.
Um allen Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihre Kinder wünschen, gerecht werden zu können, muss das Betreuungsangebot zeitnah ausgebaut werden.
Die Gemeinde Machern plant die Errichtung eines Neubaus.
Bis zur Realisierung dieses Vorhabens ist jedoch eine Zwischenlösung für die Bereitstellung von zusätzlichen Plätzen erforderlich.
Derzeit prüfen die Verantwortlichen in der Gemeinde die Möglichkeit der Betreuung von älteren Kindergartenkindern im Hort an der Grundschule.
Dadurch könnten Krippen-bzw.jüngere Kindergartenkinder in der Kindertageseinrichtung „Knirpsenhaus“ aufgenommen werden.
Es ist ein gemeinsames Anliegen,den wohnhaften Familien einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen, um Beruf und Familie vereinbaren zu können.
Als ersten Schritt fand eine Begehung im Hort/Grundschule mit der zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Landesjugendamt,statt.
Die vorgesehenen Räume wären für die Betreuung von Kindergartenkindern geeignet, unter der Maßgabe,dass noch einige Veränderungen und Maßnahmen durchgeführt werden.
Als zweiten Schritt wird die Gemeinde Machern als Träger der Einrichtungen intern ein Konzept zur Umsetzung der Erweiterung des Betreuungsangebotes am Standort der Grundschule erarbeiten.“

Im Januar 2019 signalisierten dann der Vize-Bürgermeister Karsten Frosch und der Beauftragte des Landkreises Andreas Dietze (der momentan die erkrankte Macherner Bürgermeisterin Doreen Lieder auf Amtswegen vertritt), sich nun den Möglichkeiten der Betreuungsplatz-Misere zu widmen.
Container auf dem Kita-Gelände scheiden bei diesen Möglichkeiten allerdings schon mal aus, auf dem Grundschul – und Kinderheimgelände ebenso, weil die Schaffung von Baurecht zu lange gedauert oder gänzlich fraglich gewesen wäre, so laut Dietze.
Nach Kostenermittlung durch Büros liefe es letztlich doch auf die Variante Grundschule hinaus, weil diese am ehesten finanzierbar ist“, fasste der stellvertretende Bürgermeister (CDU) Frosch zusammen.
Die Lösung brachte nicht viel Applaus von Seiten der Elternschaft ein.
Vorschulkinder zusammen mit Viertklässlern – das passt einfach nicht, waren viele Eltern der Ansicht, da der Entwicklungssprung zu hoch sei und die Vorfreude auf die Schule würde auch nicht gerade gesteigert.
Außerdem hätte sich die Gemeinde ganz einfach insgesamt zu wenig bemüht und gewartet, bis das Kind in den Brunnen gefallen sei.
„Es wird nie darüber gesprochen, weshalb keine Fördermittel beantragt wurden“, monierten später mehrere Eltern außerhalb des Rathauses.
„Als wenn 32 Plätze ausreichen würden um die Situation in Machern zu entschärfen!“
Die Wartelisten sind tatsächlich schon jetzt vor allem für Krippenkinder viel länger.
Zugezogene aus Leipzig nach Machern berichteten Webnews Landkreis Leipzig davon, dass sie ständig vertröstet würden und teilweise keine richtigen Informationen der Gemeinde bekämen, wann denn nun ein Betreuungsplatz zur Verfügung stünde.
E-Mails per Kontaktformular an die Verwaltung würden auch nur sehr zeitverzögert beantwortet oder überhaupt nicht.
Wie soll es nun weitergehen?
Tatsächlich war der Plan der, dass ab dem Schuljahr 2019/2020 in der Grundschule 32 Vorschulkinder betreut werden.
Zunächst sollte dazu ein Umbau in Teilen der Grundschule stattfinden.
Die Baumaßnahmen hätten der Gemeinde Kosten von rund 125 000 Euro beschert, wären jedoch laut Dietze und Frosch die preiswerteste Alternative gewesen.
Als Bauplatz für eine neue Kindertagesstätte ist eine Fläche in der Nähe des Plagwitzer Weges in den Fokus gerückt.
Doch seit ein paar Tagen gibt es zu den Umbaumaßnahmen der Grundschule einen neuen Stand der Dinge.
Denn der Landkreis hat laut LVZ von der Gemeinde Machern nun ein Sparkonzept verlangt.
Diese Angaben von Seiten des Landkreises liegen Webnews Landkreis Leipzig momentan noch nicht vor und können demzufolge nicht bestätigt werden.
Das ohnehin zweifelhafte „Vorschüler-Auslagerungsprojekt“ scheint jedenfalls erst einmal in der Haushaltssperren-Schublade zu verschwinden.
Es werde mit dem Landratsamt noch verhandelt, da die Umbauarbeiten auch einer Baugenehmigung bedürfen, so Andreas Dietze, und das nähme sehr sicher viel Zeit in Anspruch. Soviel, dass die ganze Idee wahrscheinlich gar nicht mehr umgesetzt wird.
Bei den Vorhaben, für die schon Fördermittel genehmigt wurden, bleibt alles beim Alten. So wird die Plagwitzer Straße in der Gemeinde Machern definitiv erneuert.
Na, da werden sich aber die vielen Eltern freuen.
Die einen, dass ihre Vorschulkinder im gewohnten Kindergartenumfeld der KiTa „Knirpsenhaus“ bleiben dürfen, bis der aufregende Tag des Schulstartes immer näher rückt.
Die anderen, dass ihre Kinder in der Abschlussklasse vier 2019/2020 vom Baulärm während des Unterrichts verschont bleiben.
Und wieder andere – die Zugezogenen und die frischgebackenen Eltern – freuen sich sicher, dass die Plagwitzer Straße durch Fördermittel erneuert wird. Wenigstens ein Lichtblick, wenn sie denn schon keinen Betreuungsplatz bekommen.
Es bleibt spannend in Machern.

Ein Resümee & Kommentar von
Redaktion Webnews Landkreis Leipzig
Kontakt: schubertmedien@astrid-schubert.eu

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