Lass‘ die Sockenpuppen (nicht) tanzen

KOMMENTAR.

Über Pseudo-Accounts im Netz.
Sockenpuppen, was soll das sein?
So werden im Netzjargon zusätzlich angelegte Benutzerkonten genannt.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
Zum Schutz der Privatsphäre, um sich nicht angreifbar zu machen oder um im Netz Stimmung zu einem Thema zu machen oder Meinungen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Es ist wirklich einfach, ‚Sockenpuppen‘ zu erschaffen, denn selbst wenn zwei oder drei Accounts derselben Person miteinander in verschiedenen Foren oder Gruppen argumentieren und eine Ansicht ‚teilen‘, ist es auf den ersten Blick für andere User schwer zu durchschauen.
So kann der Eindruck erweckt werden, es handle sich – um bei unserem Beispiel zu bleiben – um mindestens vier Personen, die derselben Ansicht sind.
Gerade bei nicht gefestigtem oder oberflächlich lesendem Publikum hat der/die virtuelle Sockenpuppen-Spieler/in ein recht leichtes Spiel, andere Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Denn er/sie – der reale Hauptaccount – wird nicht mit bestimmten Themengebieten in Verbindung gebracht und kann sich entspannt zurücklehnen.
Besonders in Netzwerken mit Klarnamenpflicht ist er/sie fein raus und lässt derweil die Sockenpuppen tanzen.
Doch was im ersten Moment ganz lustig klingen mag, ist mitunter gar nicht so fantasievoll.
Vor allem dann nicht, wenn die Sockenpuppen im missbräuchlichen Sinne angelegt und eingesetzt werden, um andere User oder deren Argumente zu diskreditieren.
Noch schlimmer wird es, wenn wirklich gesetzeswidrige Zwecke dabei eine Rolle spielen.
Der vermeintliche Schutz einer doppelten oder sogar dreifachen Anonymität wird dann genutzt, um Einzelmeinungen oder Vorschläge so zu verstärken, dass die dann quasi als ‚mehrheitsfähig‘ wahrgenommen werden.
Das ist klare Meinungsbeeinflussung und Manipulation, was sehr fragwürdig anmutet.
Und doch fehlt manchen Usern der scharfe Blick für solche Sockenspieler.
Sie vermuten nicht so eine perfide Art der Psychospielerei in ihrem Haus- und Heimatforum, in dem es doch eigentlich um die Liebe zur Region, das Miteinander, das Verbindende geht.
Um Hunde und Katzen, um Bäume, die mal wieder verschnitten werden müssten, um das Loch im Gehweg, um schnelles Internet oder Lästereien über Fehltritte von Lokalpolitikern – sowas eben.
Aber keiner vermutet dahinter politische Belange oder gar Ideologien.
Doch wenn eine Sockenpuppe so eine friedliche, heimatbewusste Gruppe im Netz gegründet hat, dann sind die kritischen Stimmen der Klarnamenprofile – der realen greifbaren Menschen – plötzlich der Feind.
Die können dann auch im Real life gemobbt und verleumdet werden.
Denn sie sind angreifbar.
So ist es von Anfang an geplant und gewollt.
Und der/die Sockenspieler/in?
Der/die lässt sich derweil an dem Stress vorbei für etwas nominieren, was der Heimat gut tut.
Oder eben auch nicht.
Und wenn es die politische Karriere ist.
Etwas schwierig ist es zwar, solchen Menschen auf die Schliche zu kommen, aber nicht unmöglich.
Egal ob sie nun Jan, Peter oder Pat heißen oder sogar einen weiblichen Namen tragen, wenn sie im Netz mobben und stressen, bewegen sich diese Sockenpuppen mit ihren Pseudo-Accounts gewiss nicht im straffreien Raum.
Bewegen sie sich noch dazu in radikalen Gruppierungen und suchen dort Fans für ihre verzerrten Ideen, interessiert sich letztlich auch die Polizei dafür.
Spätestens dann werden die Sockenpuppen des Tanzens müde – hoffentlich auch bald hier in unserem Landkreis.
Denn: Ehrlich währt am längsten.

Kommentar: Astrid Schubert

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